Glossar

Fachbegriffe der Energieberatung

Wichtige Begriffe aus der Welt der Energieberatung einfach erklärt.

A

Anlagentechnik

Sammelbegriff für alle technischen Systeme eines Gebäudes zur Wärmeerzeugung, Warmwasserbereitung, Lüftung und Kühlung. Die Effizienz der Anlagentechnik beeinflusst maßgeblich den Primärenergiebedarf nach GEG und wird bei der Energiebedarfsberechnung nach DIN V 18599 detailliert bilanziert.

Aufsparrendämmung

Eine Dämmmethode, bei der die Dämmschicht oberhalb der Sparren auf der Dachkonstruktion angebracht wird. Diese Methode vermeidet Wärmebrücken an den Sparren und erhält den Wohnraum im Dachgeschoss vollständig, ist aber aufwändiger als eine Zwischensparrendämmung, weil es quasi nur bei Neueindeckung des Daches möglich ist.

Auslegungstemperatur

Die tiefste Außentemperatur, die an einem Standort statistisch zu erwarten ist und für die eine Heizungsanlage ausgelegt wird. Sie bildet die Grundlage der Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 und bestimmt die erforderliche Leistung des Wärmeerzeugers.

B

BAFA
Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle ist eine Bundesbehörde, die unter anderem Förderprogramme für energetische Sanierungen verwaltet. Energieberater müssen bei der BAFA gelistet sein, um förderfähige Beratungen durchführen zu können.
Bedarfsausweis
Ein Energieausweis, der den theoretischen Energiebedarf eines Gebäudes auf Basis seiner baulichen und technischen Eigenschaften berechnet. Im Gegensatz zum Verbrauchsausweis ist er unabhängig vom Nutzerverhalten und wird durch eine technische Analyse des Gebäudes erstellt.
BEG (Bundesförderung für effiziente Gebäude)
Das zentrale Förderprogramm des Bundes für energetische Sanierungen und energieeffiziente Neubauten. Die BEG umfasst Zuschüsse und zinsgünstige Kredite für Einzelmaßnahmen und Komplettsanierungen und wird über BAFA und KfW abgewickelt.
Blower-Door-Test
Ein Messverfahren zur Bestimmung der Luftdichtheit eines Gebäudes. Dabei wird ein Ventilator in eine Außentür eingesetzt, der einen definierten Unter- oder Überdruck erzeugt. Die gemessene Luftwechselrate (n50-Wert) gibt Aufschluss über Undichtigkeiten in der Gebäudehülle.
Brennwertkessel
Ein Heizkessel, der zusätzlich zur Verbrennungswärme auch die im Abgas enthaltene Kondensationswärme des Wasserdampfes nutzt. Dadurch erreichen Brennwertkessel Wirkungsgrade von über 90% bezogen auf den Heizwert.

C

COP (Coefficient of Performance)
Der Leistungskoeffizient einer Wärmepumpe unter definierten Prüfbedingungen. Im Gegensatz zur Jahresarbeitszahl wird der COP unter Laborbedingungen bei konstanten Temperaturen gemessen und dient dem Vergleich verschiedener Geräte.

D

dena
Die Deutsche Energie-Agentur (dena) ist ein Kompetenzzentrum für Energieeffizienz, erneuerbare Energien und intelligente Energiesysteme. Sie führt die Energieeffizienz-Expertenliste und bietet Fortbildungen für Energieberater an.
DIN V 18599

Die zentrale Berechnungsnorm für die energetische Bewertung von Gebäuden in Deutschland. Sie umfasst die Bilanzierung von Heizung, Warmwasser, Lüftung, Kühlung und Beleuchtung und ist seit 2024 für alle Gebäudetypen bei GEG-Nachweisen verbindlich. Die dena stellt einen umfassenden Leitfaden zur Anwendung bereit. Das BAFA nutzt die Norm als Grundlage für geförderte Energieberatungen bei Nichtwohngebäuden.

E

Einblasdämmung
Ein Dämmverfahren, bei dem loser Dämmstoff (z.B. Zellulose, Glaswolle oder EPS-Granulat) in bestehende Hohlräume eingeblasen wird. Besonders geeignet für zweischaliges Mauerwerk, Holzbalkendecken oder Dachschrägen.
Endenergiebedarf
Die Energiemenge, die dem Gebäude zugeführt werden muss, um den Heizwärmebedarf, die Warmwasserbereitung und ggf. Kühlung zu decken. Dies entspricht der Energie, die an der Gebäudegrenze (z.B. Gaszähler, Stromzähler) gemessen wird.
Energetische Sanierung
Bauliche Maßnahmen an bestehenden Gebäuden zur Verbesserung der Energieeffizienz. Dazu gehören Dämmung der Gebäudehülle, Austausch von Fenstern und Türen, Erneuerung der Heizungsanlage sowie Installation von Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung.

F

Fernwärme

Die zentrale Versorgung von Gebäuden mit Wärme über ein Leitungsnetz. Die Wärme wird in Heizkraftwerken oder aus industrieller Abwärme erzeugt und über gedämmte Rohrleitungen zu den Verbrauchern transportiert. Fernwärme kann je nach Erzeugungsart sehr unterschiedliche Primärenergiefaktoren aufweisen.

Flächenheizung

Ein Heizsystem, das Wärme über große Flächen wie Fußböden, Wände oder Decken abgibt. Flächenheizungen arbeiten mit niedrigen Vorlauftemperaturen (typisch 30-40°C) und sind daher besonders gut für den Betrieb mit Wärmepumpen geeignet.

Förderfähige Kosten

Die Ausgaben, die im Rahmen von Förderprogrammen wie der BEG bezuschusst werden können. Dazu gehören Material- und Installationskosten sowie Planungs- und Baubegleitungsleistungen. Die Höchstgrenzen variieren je nach Maßnahme und Gebäudetyp. Die Aufstellung der förderfähigen Maßnahmen finden sich hier.

G

GEG (Gebäudeenergiegesetz)
Das Gebäudeenergiegesetz ist seit November 2020 in Kraft und vereint die bisherige Energieeinsparverordnung (EnEV), das Energieeinsparungsgesetz (EnEG) und das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG). Es regelt die energetischen Anforderungen an Neubauten und Bestandsgebäude.
Graue Energie

Die Primärenergie, die für Herstellung, Transport, Lagerung und Entsorgung von Baumaterialien aufgewendet wird. Bei hochgedämmten Gebäuden kann die graue Energie einen erheblichen Anteil der Gesamtenergiebilanz ausmachen.

H

Heizlast
Die Wärmeleistung in Watt, die einem Raum oder Gebäude zugeführt werden muss, um bei der tiefsten Außentemperatur (Auslegungstemperatur) die gewünschte Raumtemperatur zu halten. Die Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 ist Grundlage für die Dimensionierung der Heizungsanlage.
Heizwärmebedarf

Die Wärmemenge, die dem Gebäude zugeführt werden muss, um die gewünschte Raumtemperatur zu halten. Er ergibt sich aus Transmissions- und Lüftungswärmeverlusten abzüglich nutzbarer Wärmegewinne (solar und intern) und bildet die Grundlage für die Berechnung des Endenergiebedarfs.

H'T-Wert (spezifischer Transmissionswärmeverlust)

Ein Kennwert für die energetische Qualität der Gebäudehülle, angegeben in W/(m²·K). Er beschreibt den mittleren Wärmeverlust pro Quadratmeter Hüllfläche und Kelvin Temperaturdifferenz. Der Wärmebrückenzuschlag ist hier bereits inkludiert. Bei einer Effizienzhaus-Sanierung definiert dieser Wert in den meisten Fällen welches Effizienzhaus erreicht werden kann.

Hydraulischer Abgleich
Eine Optimierungsmaßnahme für Heizungsanlagen, bei der die Wassermengen in den einzelnen Heizkreisen so eingestellt werden, dass jeder Heizkörper genau die Wärmemenge erhält, die er benötigt. Dies erhöht die Effizienz der Heizung und ist Voraussetzung für viele Förderprogramme.

I

iSFP (individueller Sanierungsfahrplan)
Ein vom BAFA gefördertes Beratungsinstrument, das Hauseigentümern einen langfristigen Sanierungsplan für ihr Gebäude aufzeigt. Der iSFP stellt Sanierungsmaßnahmen in einer sinnvollen Reihenfolge dar und ermöglicht einen zusätzlichen Förderbonus bei der Umsetzung.

J

Jahresarbeitszahl (JAZ)
Ein Effizienzwert für Wärmepumpen, der das Verhältnis von erzeugter Wärmeenergie zu eingesetzter elektrischer Energie über ein ganzes Jahr angibt. Eine JAZ von 4 bedeutet, dass die Wärmepumpe aus 1 kWh Strom 4 kWh Wärme erzeugt.

K

Kellerdeckendämmung
Die Dämmung der Decke zwischen unbeheiztem Keller und beheiztem Erdgeschoss. Eine einfache und kostengünstige Maßnahme zur Reduzierung von Wärmeverlusten, die oft auch in Eigenleistung durchgeführt werden kann.
KfW-Effizienzhaus
Ein energetischer Standard für Gebäude, der von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) definiert wird. Die Zahl gibt an, wie viel Prozent des Primärenergiebedarfs das Gebäude im Vergleich zu einem Referenzgebäude nach GEG benötigt. Ein KfW-Effizienzhaus 55 benötigt also nur 55% der Energie des Referenzgebäudes.

L

Lüftungswärmeverlust
Der Wärmeverlust, der durch den Luftaustausch zwischen Innenraum und Außenluft entsteht. Dies umfasst sowohl die kontrollierte Lüftung als auch unkontrollierte Infiltration durch Undichtigkeiten in der Gebäudehülle.
Luftwechselrate (n50)

Ein Messwert für die Luftdichtheit eines Gebäudes, ermittelt beim Blower-Door-Test. Der n50-Wert gibt an, wie oft das Luftvolumen des Gebäudes pro Stunde bei einer Druckdifferenz von 50 Pascal ausgetauscht wird. Das GEG fordert für Neubauten mit Lüftungsanlage einen Wert von maximal 1,5 h⁻¹.

M

Mindestluftwechsel

Der hygienisch notwendige Luftaustausch in Wohnräumen, der zur Abfuhr von Feuchtigkeit, CO₂ und Schadstoffen erforderlich ist. Nach DIN 1946-6 muss ein Lüftungskonzept nachweisen, dass der Mindestluftwechsel auch ohne aktives Zutun der Bewohner gewährleistet ist.

N

Nachrüstpflichten

Gesetzliche Verpflichtungen für Eigentümer von Bestandsgebäuden gemäß GEG §47. Dazu gehören unter anderem die Dämmung zugänglicher Heizungs- und Warmwasserleitungen, die Dämmung der obersten Geschossdecke sowie der Austausch von Heizkesseln, die älter als 30 Jahre sind (ausgenommen Niedertemperatur- und Brennwertheizungen).

Nichtwohngebäude

Gebäude, die überwiegend nicht dem Wohnen dienen, wie Büros, Schulen, Krankenhäuser oder Produktionsstätten. Für Nichtwohngebäude gelten im GEG eigene Anforderungen, und die energetische Bilanzierung erfolgt ausschließlich nach DIN V 18599 mit zonenweiser Betrachtung.

O

Oberste Geschossdecke
Die Decke zwischen dem obersten beheizten Geschoss und dem unbeheizten Dachraum. Laut GEG muss die oberste Geschossdecke oder alternativ das Dach gedämmt werden, wenn die Mindestanforderungen nicht erfüllt sind.

P

Photovoltaik (PV)
Die direkte Umwandlung von Sonnenlicht in elektrische Energie mittels Solarzellen. PV-Anlagen können auf Dächern oder Freiflächen installiert werden und tragen zur Reduzierung des Primärenergiebedarfs bei.
Primärenergiebedarf
Die Gesamtmenge an Energie, die zur Deckung des Endenergiebedarfs benötigt wird, einschließlich der Verluste bei Gewinnung, Umwandlung und Transport der Energieträger. Der Primärenergiebedarf berücksichtigt also die gesamte Energiekette.
Primärenergiefaktor

Ein Multiplikator, der die Vorkette eines Energieträgers (Gewinnung, Umwandlung, Transport) berücksichtigt. Er dient der Berechnung des Jahres-Primärenergiebedarfs und ermöglicht den Vergleich verschiedener Energieträger. Die Faktoren sind in Anlage 4 des GEG festgelegt (z.B. Strom: 1,8; Erdgas: 1,1; Holz: 0,2).

Pufferspeicher
Ein Wärmespeicher, der überschüssige Wärme zwischenspeichert und bei Bedarf wieder abgibt. Pufferspeicher entkoppeln die Wärmeerzeugung vom Wärmeverbrauch und ermöglichen einen effizienteren Betrieb der Heizungsanlage.

Q

QNG (Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude)

Ein staatliches Gütesiegel für nachhaltige Neubauten, das über die reine Energieeffizienz hinausgeht. Es bewertet Treibhausgasemissionen im Lebenszyklus, Ressourcenschonung und Wohngesundheit. Das QNG ist Voraussetzung für die höchste KfW-Förderstufe beim klimafreundlichen Neubau. Informationen zur Zertifizierung unter www.qng.info.

R

Referenzgebäude

Ein virtuelles Vergleichsgebäude mit identischer Geometrie und Nutzung wie das zu bewertende Gebäude, aber mit festgelegten Standardwerten für Bauteile und Anlagentechnik gemäß GEG. Der Energiebedarf des Referenzgebäudes dient als Bezugsgröße für die Anforderungen an Neubauten und die Definition von KfW-Effizienzhaus-Standards.

Rücklauftemperatur

Die Temperatur des Heizwassers, das von den Heizkörpern oder der Flächenheizung zum Wärmeerzeuger zurückfließt. Eine niedrige Rücklauftemperatur (unter 35°C) ist Voraussetzung für den effizienten Betrieb von Brennwertkesseln und Wärmepumpen.

S

SCOP (Seasonal Coefficient of Performance)

Die saisonale Leistungszahl einer Wärmepumpe, die die Effizienz über eine gesamte Heizperiode unter realistischen Bedingungen beschreibt. Im Gegensatz zum COP berücksichtigt der SCOP wechselnde Außentemperaturen und Teillastbetrieb. Er ist auf dem EU-Energielabel angegeben.

Solarthermie
Die Nutzung von Sonnenenergie zur Wärmeerzeugung, meist für Warmwasser oder Heizungsunterstützung. Solarthermische Kollektoren absorbieren die Sonnenstrahlung und übertragen die Wärme auf ein Wärmeträgermedium.

T

Taupunkt

Die Temperatur, bei der die Luftfeuchtigkeit zu kondensieren beginnt. Bei der Gebäudedämmung ist der Taupunkt kritisch: Liegt er innerhalb oder auf der Oberfläche eines Bauteils, kann dort Feuchtigkeit ausfallen und zu Schimmelbildung führen. Eine korrekte Planung verhindert, dass der Taupunkt in der Konstruktion liegt.

Thermografie

Ein bildgebendes Verfahren zur Darstellung der Oberflächentemperaturen von Gebäuden mittels Infrarotkamera. Thermografieaufnahmen machen Wärmebrücken, Luftundichtheiten und Dämmdefekte sichtbar. Sie werden in der Energieberatung als Analyseinstrument eingesetzt, idealerweise bei einer Temperaturdifferenz von mindestens 15 Kelvin zwischen innen und außen.

Transmissionswärmeverlust
Der Wärmeverlust, der durch die Gebäudehülle (Wände, Dach, Fenster, Boden) an die Außenluft oder das Erdreich abgegeben wird. Er ist abhängig von den U-Werten der Bauteile, deren Flächen und der Temperaturdifferenz zwischen innen und außen.

U

U-Wert
Der Wärmedurchgangskoeffizient (U-Wert) gibt an, wie viel Wärme durch ein Bauteil nach außen verloren geht. Er wird in W/(m²·K) angegeben. Je niedriger der U-Wert, desto besser ist die Wärmedämmung des Bauteils.

V

Verbrauchsausweis
Ein Energieausweis, der auf dem tatsächlichen Energieverbrauch der letzten drei Jahre basiert. Er spiegelt das reale Nutzerverhalten wider, ist aber dadurch weniger objektiv als der Bedarfsausweis.
Vorlauftemperatur
Die Temperatur des Heizwassers, das vom Wärmeerzeuger zu den Heizkörpern oder der Fußbodenheizung fließt. Niedrige Vorlauftemperaturen (unter 55°C) sind Voraussetzung für einen effizienten Betrieb von Wärmepumpen.

W

Wärmebrücke
Ein Bereich in der Gebäudehülle, durch den Wärme schneller nach außen abfließt als durch die angrenzenden Bauteile. Typische Wärmebrücken sind Fensterrahmen, Balkone oder Gebäudeecken. Sie können zu erhöhten Heizkosten und Schimmelbildung führen.
Wärmedämmverbundsystem (WDVS)
Ein mehrschichtiges System zur Außendämmung von Gebäudewänden, bestehend aus Dämmstoff (meist EPS, Mineralwolle oder Holzfaser), Armierungsschicht und Außenputz. WDVS ist eine der häufigsten Methoden zur energetischen Sanierung der Außenwände.
Wärmepumpe

Ein Heizsystem, das Umweltwärme (aus Luft, Erdreich oder Grundwasser) mithilfe von elektrischer Energie auf ein höheres Temperaturniveau hebt. Wärmepumpen gelten als Schlüsseltechnologie der Wärmewende und werden über die KfW mit bis zu 70% Förderung (ohne Gewähr - Stand: 19.12.2025) unterstützt. Ihre Effizienz wird durch die Jahresarbeitszahl (JAZ) beschrieben.

Wärmerückgewinnung
Die Rückgewinnung von Wärme aus der Abluft eines Gebäudes zur Erwärmung der Zuluft. Moderne Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung können bis zu 90% der Wärme aus der Abluft zurückgewinnen und so die Lüftungswärmeverluste drastisch reduzieren.